Vor­trags­reihe Wissenschaftskritik

Phi­lo­so­phie

Ein Den­ken aus dem Geist der Rechtfertigung

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Zita­te­zet­tel: http://​www​.far​berot​.de/​t​e​x​t​/​d​e​t​a​i​l​s​/​1​5​1​-​P​h​i​l​o​s​o​p​h​i​e​_​Z​i​t​a​t​e​.html

Die Phi­lo­so­phie, hieß es ein­mal, sei die Köni­gin der Wis­sen­schaf­ten und zugleich die Magd der Theo­lo­gie. Diese Aus­kunft ist nicht so ver­kehrt. Sie wirft ein bezeich­nen­des Licht – auf die ande­ren „beschränk­ten Fach– und Ver­stan­des­wis­sen­schaf­ten“, und ebenso auf das Fach, das ihnen gegen­über der Hort der Ver­nunft zu sein beansprucht.

Phi­lo­so­phen sind stolz dar­auf, dass ihr Reich der Selbst­re­fle­xion im eigent­li­chen Sinn keine Wis­sen­schaft von etwas ist. Gerne beken­nen sie mit den Wor­ten des alten Sokra­tes: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Das hal­ten sie aber nicht für ein Ein­ge­ständ­nis, dass ihre Kunst das Inter­esse der wiss­be­gie­ri­gen Jugend nicht ver­dient; im Gegen­teil: Phi­lo­so­phie bie­tet kein Wis­sen, son­dern Bes­se­res: Weis­heit. Man könne Phi­lo­so­phie nicht ler­nen, sagen sie, man müsse selbst philosophieren!

Und wenn man das tut, betä­tigt man sich als unüber­biet­bar kri­ti­scher Geist. Phi­lo­so­phie ist das kri­ti­sche Den­ken schlecht­hin. Sie erklärt nichts, hin­ter­fragt dafür alles. Vor allem das Wis­sen selbst, aber auch das Wol­len und die Wirk­lich­keit als sol­che. In ihrer kri­ti­schen Frage nach dem „Woher, Wohin und Wozu von Welt und Leben“ (Hei­deg­ger) und in ihrer Dis­tanz zum „Bloß Sei­en­den“ (Adorno) betä­tigt sie mit den Mit­teln des Ver­stan­des die reli­giöse Sehn­sucht nach dem lie­ben Gott und dem „tran­szen­den­ta­len Obdach“, das der Glaube gewäh­ren würde – wenn der moderne Mensch halt noch glau­ben könnte.

Die Phi­lo­so­phie ist das aus­drück­li­che und – iro­nisch genug – argu­men­ta­tive Bekennt­nis zum Irra­tio­na­lis­mus in der Wis­sen­schaft. Ihre Ver­tre­ter wer­den frei­lich von den ande­ren wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen nicht geschnit­ten und aus dem Kreis derer, die Wis­sen erar­bei­ten, aus­ge­schlos­sen. Sie wer­den im Gegen­teil als die kor­rek­ten Inter­pre­ten des wis­sen­schaft­li­chen Den­kens aner­kannt: Was eine Theo­rie sei, wie das Erklä­ren geht, was das Ziel der For­schung zu sein habe, – das las­sen sich die Wis­senschaft­ler von den Phi­lo­so­phen sagen. Ihr Fach ist das affir­ma­tive Selbst­be­wusst­sein einer ver­kehr­ten Wissenschaft.

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  1. Philosophie (144 Minuten, 65.6 MB)