Huma­nis­ti­sche Psy­cho­lo­gie – Gesprächstherapie

Quelle: www​.sozia​lis​ti​sche​gruppe​.de Huma­nis­ti­sche Psy­cho­lo­gie – Gesprächs­the­ra­pie Du bist nichts, dein Selbst ist alles

Dass die Psy­cho­lo­gie die Fach­wis­sen­schaft für die klei­nen und gro­ßen Ver­rückt­hei­ten ist, die sich moderne Indi­vi­duen tag­täg­lich mit Geist und Ver­stand antun, ist weit­hin unbe­strit­ten. In allen ihren Abtei­lun­gen bestä­tigt sie die demo­kra­ti­sche Mei­nung, dass es im Leben sehr auf das Indi­vi­duum ankäme, indem sie deren Bemü­hun­gen und Taten ihren objek­ti­ven Inhalt und Zweck abstrei­tet. Sor­gen, Pro­bleme, Ängste und Ver­rückt­hei­ten sind dem­nach immerzu Resul­tate der Aus­ein­an­der­set­zung der Leute mit sich selbst, mit ihrer Natur zuge­hö­ri­gen Kräf­ten und Instan­zen, die aber ihre Wir­kung so tun, dass sie der Kon­trolle des bewuss­ten Wil­lens ganz oder teil­weise ent­zo­gen sind. Die behaup­tete Unkennt­nis der Seele und der gehei­men psy­chi­schen Antriebe wird von der Psy­cho­lo­gie aber nicht nur für alles mensch­li­che Unbe­ha­gen ver­ant­wort­lich gemacht; zugleich gibt es den Grund ab für die ‚lei­der not­wen­dige‘ Domi­nanz der Fach­psy­cho­lo­gen und The­ra­peu­ten, die mit ihrem kli­ni­schen, the­ra­peu­ti­schen oder ver­hal­tens­wis­sen­schaft­li­chen Werk­zeug es als ein­zige in Hän­den hal­ten, das Aus­ein­an­der­klaf­fen zwi­schen bewuss­tem und dem gehei­men, steu­ern­den Selbst zu über­win­den. Seit gerau­mer Zeit hat mit der huma­nis­ti­schen Psy­cho­lo­gie eine inner­wis­sen­schaft­li­che Strö­mung Kon­junk­tur, die als psy­cho­lo­gi­sche Selbst­kri­tik an der Macht­aus­übung der behan­deln­den The­ra­peu­ten und dem pes­si­mis­ti­schen und nega­ti­ven Men­schen­bild der Grün­dungs­vä­ter Freud und Jung – aber auch Skin­ner – antritt. In der the­ra­peu­ti­schen Kri­tik am „Pati­en­ten­ver­hal­ten“ ent­deckt sie eine „Ent­mün­di­gung“ des Indi­vi­du­ums, der Carl R. Rogers und Kol­le­gen eine ganz prin­zi­pi­elle Aner­ken­nung des psy­cho­lo­gi­schen Angel­punkts von Welt und Mensch, dem Selbst, ent­ge­gen­stel­len wollen.

Lei­den­sur­sa­che: Unbe­kann­tes Selbst

Was da an men­schen­freund­li­cher „Heb­am­men­funk­tion“ des hel­fen­den The­ra­peu­ten ange­bo­ten wird, lau­tet in pro­gram­ma­ti­scher Abset­zung zu bis­he­ri­gen Therapiemethoden:

„Er (der per­so­nen­be­zo­gene Ansatz) zielt direkt auf die grö­ßere Unab­hän­gig­keit und Inte­gra­tion des Indi­vi­du­ums ab, statt zu hof­fen, dass sich diese Resul­tate erge­ben, wenn der Bera­ter bei der Lösung des Pro­blems hilft. Das Indi­vi­duum steht im Mit­tel­punkt der Betrach­tung, und nicht das Pro­blem. Das Ziel ist nicht, ein bestimm­tes Pro­blem zu lösen, son­dern dass es mit dem gegen­wär­ti­gen Pro­blem und mit spä­te­ren Pro­ble­men in bes­ser inte­grier­ter Weise fer­tig wird.“ (Rogers)

Ein recht eigen­tüm­li­ches Hilfs­pro­gramm: Einem Men­schen, der mit sei­nen Pro­ble­men nicht fer­tig wird, wird fach­män­ni­sche Anteil­nahme zuteil, indem ihm die­ser absichts­voll nicht hilft! Wer frei­lich meint, dafür hätte der besorgte Pati­ent nicht auch noch Mis­ter Rogers bedurft, über­sieht den Ange­botscha­rak­ter die­ser „per­so­nen­be­zo­ge­nen“ Lösungs­ver­wei­ge­rung: Aus­ge­rech­net indem man sich dem Pro­blem wid­met, zur Klä­rung bei­trägt und fal­sche Stand­punkte aus­räumt, soll man gegen die „Unab­hän­gig­keit des Indi­vi­du­ums“ ver­sto­ßen und die Ent­wick­lung eigen­stän­di­ger Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­tenz behin­dern. Dem­zu­folge wird das „Indi­vi­duum“ erst dadurch in den ihm gemä­ßen „Mit­tel­punkt“ gerückt, indem man seine Pro­bleme und Feh­ler erst gar nicht als sol­che ernst nimmt, son­dern sie als mehr oder weni­ger belie­bi­ges Mate­rial zur Her­aus­bil­dung unab­hän­gi­ger Inte­gra­ti­ons­iden­ti­tät ver­wen­det. Wenn dabei schon die Befas­sung mit den jewei­li­gen Pro­ble­men die Sicht auf das Indi­vi­duum behin­dern soll, worin mag dann die­ses „inte­gra­tive Selbst“ beste­hen? Ganz ein­fach und psy­cho­lo­gisch: die selb­stän­dige, lösungs­kom­pe­tente Indi­vi­dua­li­tät kommt durch einen Wech­sel der Selbst­ein­schät­zung zustande, indem man unter Abse­hung von allen Erfah­rungs­in­hal­ten sich zu einer ganz prin­zi­pi­el­len Aner­ken­nung sei­ner Pro­bleme als eigene Erfah­run­gen entschließt:

„Jedes Indi­vi­duum exis­tiert in einer stän­di­gen sich ändern­den Erfah­rung, des­sen Mit­tel­punkt es ist.“ (Rogers)

Dem­nach exis­tiert das Indi­vi­duum gleich zwei­mal: Ein­mal „in“ sei­nem „sich stän­dig ändern­den Erfah­rungs­feld“, wel­ches zugleich Urgrund von Indi­vi­duum Nr. 2 ist, indem sich die­ses als „Mit­tel­punkt“ sei­ner Erfah­run­gen selbst begeg­net. Weil Rogers alle Inhalte und Unter­schied­lich­kei­ten mensch­li­cher Erfah­rung aus der „per­so­nen­be­zo­ge­nen“ Behand­lung eli­mi­niert, ent­hält das sol­cher­art kon­stru­ierte Dop­pel­we­sen den zwei­fa­chen Auf­trag an die selbst­er­fah­rende Indi­vi­dua­li­tät, alle ihre Gefühle unab­hän­gig von ihren bestimm­ten Inhal­ten 1. als Fak­tum anzu­er­ken­nen, und so 2. sich darin wie­der zu ent­de­cken, also alles als Teil sei­ner selbst zu ver­eh­ren. Als Grund für das mensch­li­che Unglück hat die Gesprächs­the­ra­pie somit den Wider­streit von und die damit ein­her­ge­hende Ableh­nung gegen­über bestimm­ten Gefüh­len aus­fin­dig gemacht. Mit dem Gebot, alle Erfah­run­gen, Erleb­nisse und Emp­fin­dun­gen als Resul­tat eines sich äußern­den unbe­kann­ten Selbst anzu­er­ken­nen, ist ein Pro­gramm des See­len­frie­dens als Kon­se­quenz die­ser Selbst­be­zich­ti­gung als Urhe­ber des eige­nen Übels for­mu­liert, die von Hass und Eifer­sucht bis zum Wunsch nach Selbst­mord alles mit dem Hin­weis für gut befin­det: ich habe es erlebt, mein Selbst, meine Inner­lich­keit kommt dabei zum Aus­druck, daher habe ich ‚es‘ anzunehmen.

„För­dernd wirkt der­je­nige The­ra­peut, .…indem er dem Kli­en­ten eine nicht­be­sitz­er­grei­fende Anteil­nahme und Liebe ent­ge­gen­bringt; indem er die innere Welt des ande­ren ver­steht und akzep­tiert.“ (Rogers)

Be-​/​erkenne dich selbst

So sehr die Gesprächs­the­ra­pie das offen­sive Bekennt­nis zu allen Feh­lern, Dumm­hei­ten oder Ängs­ten als den eige­nen zum wah­ren, immerzu unter­drück­ten Selbst erklärt, für so wenig selbst­ver­ständ­lich hält sie offen­sicht­lich die­sen Umgang mit sich selbst. Des­we­gen wird das prin­zi­pi­elle Ver­bot der Beschäf­ti­gung mit und Selbst­kri­tik an den eige­nen Ein­stel­lun­gen gleich zur metho­di­schen Vor­schrift erho­ben, die es unent­wegt ein­zu­üben gilt.

„Gesprächs­the­ra­pie ist ein auf­merk­sa­mes, ein­fühl­sa­mes Hin­hö­ren auf die Äuße­run­gen des ande­ren. Dar­über hin­aus ist sie ein inten­si­ves Bemü­hen, sich in den ande­ren hin­ein­zu­füh­len: Was bedeu­ten für ihn per­sön­lich seine Äuße­run­gen? Wel­che Mei­nung drückt er damit aus? Was sagen diese Äuße­run­gen über sein Selbst? Was ist die ‚tie­fere Bot­schaft‘ sei­ner Äuße­run­gen? Was emp­fin­dest Du, wenn Du das sagst? Kannst Du das für Dich for­mu­lie­ren?“ (Tausch & Tausch)

Ein­fühl­sam­keit, Mit­emp­fin­den – das sind die schö­nen Titel, unter denen einem die Methode der Selbst­fin­dung beige­bracht wird. Die­ses innere Selbst besteht frei­lich in nichts ande­rem als der bestän­di­gen Suche nach ihm: „Was emp­fin­dest Du, wenn Du das sagst?“ – so lau­tet die Auf­for­de­rung, jedem Gefühls– und Gedan­ken­in­halt gleich­gül­tig gegen­über­zu­ste­hen, indem man ihn nur als Mate­rial des gehei­men, dahin­ter lie­gen­den Selbst behan­delt, das man sol­cher­ma­ßen sich selbst erschafft. Der prak­ti­sche Erfolg der Gesprächs­the­ra­pie ist damit auch schon klar. Ent­spre­chend der vor­ge­schrie­be­nen Ver­dopp­lung von rea­ler Erfah­rungs­welt und Selbst­er­fah­rung ergeht die Emp­feh­lung, neben sein eige­nes Füh­len und seine eige­nen Bedürf­nisse zu tre­ten und in „Wut“, „Angst“, „Scham“, „Ver­zweif­lung“, „Mut“ und was auch immer, sich am Werk und gut zu fin­den. Dass damit die Gele­gen­heit geschaf­fen ist – falls man sich die­ses metho­di­sche Neben-​sich-​treten nur kom­pro­miss­los genug erlernt -, für das eigene selbst­zu­frie­dene Mit­ma­chen auch noch die letzte schäd­li­che Dumm­heit als Teil des eige­nen Selbst zu akzep­tie­ren, sei am Fall des Selbst­mör­ders Gün­ther und der segens­rei­chen Betreu­ung durch den Gesprächs­the­ra­peu­ten Tausch vorgeführt.

Die Ret­tung des Selbst vorm Selbstmord

Der Selbst­mord­kan­di­dat Gün­ther hat von sei­nem ‚Fall‘ fol­gende Meinung:

„Ich fühle mich ganz allein. Freunde habe ich nie rich­tig gehabt. Immer woll­ten sie nur Geld von mir. Wenn ich was wollte, war nichts drin… Ich dachte, was hält mich, ich sehe kei­nen Sinn im Leben.

Der gute Mann ist ver­rückt. Seine Ent­täu­schung über die schlech­ten Mit­men­schen nimmt er sich in einer Weise zu Her­zen, dass er das Miss­lin­gen sei­ner Ide­al­vor­stel­lun­gen von einem Kreis unei­gen­nüt­zi­ger Freunde nicht als Hin­weis gel­ten las­sen will, dass er irgend etwas falsch gemacht hat. Statt des­sen kehrt er die Nicht­gel­tung sei­nes heh­ren Freund­schafts­ide­als zu einem Wider­spruch gegen sich selbst, den eige­nen Cha­rak­ter und die eigene Lebens­tüch­tig­keit über­haupt. Er will der­ma­ßen radi­kal auf dem Schluss behar­ren, eher auf sein Leben als auf das idea­lis­ti­sche Lebenspro­gramm zu ver­zich­ten, an dem er geschei­tert ist, dass er laut Tausch drei­mal erfolg­los ver­sucht, sich um die Ecke zu brin­gen. Alle diese Ver­rückt­hei­ten for­dern dem gesprächs­the­ra­peu­ti­schen Hel­fer an sei­ner Seite nur zu einem her­aus: zu tie­fem Ver­ständ­nis

„Ja, ich ver­stehe, du fühlst dich allein, du bist unglück­lich, daß du allein bist, du bist ent­täuscht, du hast Wun­den in dir behal­ten, du hast nie geben kön­nen, du hast nie gelernt, deine Gefühle zu geben, dir ist nach Wei­nen, aber du kannst nicht…“ (R. Tausch)

Schon die­ser Hau­fen an Ver­trau­lich­keit könnte miss­trau­isch machen. Sie sind das tech­ni­sche Hilfs­mit­tel für den Psy­cho­lo­gen um mit­zu­tei­len, dass er das vor­ge­brachte „Pro­blem“ höchst ernst nimmt. Aber nie und nim­mer in der Hin­sicht, dass er sich bemü­hen würde, den „Kli­en­ten“ zur Ver­nunft zu brin­gen. Statt­des­sen bekommt der liebe Gün­ther, der ja über­zeugt ist, sich in sei­nem pri­va­ten Glücks­pro­gramm als Total­ver­sa­ger erwie­sen zu haben, vom The­ra­peu­ten eröff­net, inwie­fern und wie sehr er voll­kom­men Recht hat. Egal ob dabei dem geschätz­ten „Part­ner“ sein See­len­le­ben, das ihm fach­kun­dig aus­ge­brei­tet wird, so gar nicht vor Augen steht; des­sen Urteil über sich, eine ziem­lich wert­lose Figur in der Welt abzu­ge­ben, baut der Gesprächs­the­ra­peut ziel­stre­big und mit Genuss an den Erbärm­lich­kei­ten, die er ande­ren Leu­ten aus dem Inne­ren deutet -

„Das ist Leben! Ich kann einen Blick in die see­li­sche Land­schaft ande­rer tun. Des­halb bin ich Psy­cho­loge und es macht mir Freude, das Innere des ande­ren zu erfah­ren!

- zu einem Per­sön­lich­keits­bild sei­nes „Part­ners“ aus, das dem die eigent­li­chen „Pro­bleme“ offen­ba­ren soll, die sei­nem Selbst­ver­druss zu Grunde lie­gen. Zwar hat der Kli­ent eben sei­nem „Gefühl“ Aus­druck gege­ben – „Ich fühle mich ganz allein!“ -, bloß: dar­auf kommt es gar nicht an. Der Psy­cho­loge legt Wert auf das Gene­ral­ur­teil, dass das „Pro­blem“, wel­ches der Kli­ent äußert, nur ein Hin­weis auf ein tie­fe­res, grund­sätz­li­che­res See­len­pro­blem ist: „Du bist Dir selbst fremd, du schaffst es nicht, deine wah­ren Gefühle zu äußern!“ Wel­chen Inhalt die Beschwer­den des Kli­en­ten haben, ist für diese Erklä­rung offen­sicht­lich völ­lig gleich­gül­tig: Er mag bekla­gen, was er will, oder auch kei­nen Mucks sagen – er bekommt auf jeden Fall die Dia­gnose ver­passt, dass ihn ein Iden­ti­täts­pro­blem quält. Mit Logik hat der Satz „Du bist unfä­hig, du selbst zu sein!“ natür­lich nichts zu tun – es ist viel­mehr der unmit­tel­bare Appell, sich selbst mit­samt sei­nen her­bei­phan­ta­sier­ten Cha­rak­ter­be­hin­de­run­gen (‚Wun­den‘) ein­fach mal lie­bens­wert zu fin­den. Der Rest ergibt sich dann schon von selbst. Dies ist denn auch die ein­zige Kri­tik, die der The­ra­peut sei­ner Kli­en­tel nach­sagt, die sie frei­lich dafür mit unüber­treff­li­cher Pene­tranz zu hören bekommt: Wahn­ideen hin oder her, es kommt ein­zig dar­auf an, dass man nicht nega­tiv, son­dern posi­tiv zu sich steht. Rück­fälle sei­nes Kli­en­ten, der noch „intel­lek­tua­li­siert“ und „den Grund in Objek­ten oder Per­so­nen außer­halb sei­ner selbst sucht“, behebt Tausch mit der gebets­müh­len­ar­ti­gen Wie­der­ho­lung des Ange­bots, in sich das Sam­mel­su­rium an Defek­ten zu ent­de­cken, die der Fach­mann in sei­nem Inne­ren iden­ti­fi­ziert hat, und als sei­nen Grund­cha­rak­ter ‚anzu­neh­men‘. Das vom Psy­cho­lo­gen getrof­fene Urteil über sei­nen „Part­ner“: Total­null! will schon als des­sen Gedan­ken­leis­tung voll­zo­gen sein. So nimmt es nicht wun­der, dass die ver­rückte Selbst­be­zich­ti­gung: „Ich bin so ein Wicht“, stän­dig vom Psy­cho­lo­gen bestä­tigt wird, indem er daran erin­nert, dass da „etwas“ aus dem selbst­ver­schlos­se­nen Part­ner herausdrängt:

„Du fürch­test, man könnte Unan­ge­neh­mes ent­de­cken; du emp­fin­dest dich als unnütz,… du kannst dich noch nicht anneh­men!

Und darum soll es ja bekannt­lich gehen. Auch eine Leis­tung, sich als aus­ge­prägte Niete zu ent­de­cken und dar­aus eine gelun­gene Begeg­nung, ein flot­tes ‚Hallo, Selbst!‘ zu arrangieren.

Der Erfolg der Gesprächs­the­ra­pie: Sag Ja zum Selbst

Eines sei fest­ge­hal­ten: wenn der Pati­ent bei die­ser psy­cho­lo­gi­schen Ver­rückt­heit mit­macht, funk­tio­niert es; an die Stelle sei­ner hin­der­li­chen Ver­rückt­heit tritt mit „Hilfe“ des The­ra­peu­ten ein nütz­li­cher Wahn. Je mehr sich der „Kli­ent“ in sein pro­fes­sio­nell betreu­tes Selbst­mit­leid hin­ein­stei­gert und je län­ger er immer neue, unver­stan­dene Details sei­ner armen Per­sön­lich­keit („Gefühle“) ima­gi­niert – desto häu­fi­ger hat der The­ra­peut Gele­gen­heit, ihm die ein­ge­bil­de­ten Abgründe sei­nes Cha­rak­ters als seine ganz und gar ein­zig­ar­tige, unver­wech­sel­bare und daher „wert­volle“ Beson­der­heit zurück­zu­spie­geln: Weil du so bist, unter­lass es, mit dir zu hadern, son­dern bekenne dich zu dei­ner Schwäch­lich­keit als „Anteil dei­nes Selbst“! Die­sen Kampf ums Selbst­wert­ge­fühl – bei dem sich der Wert des Selbst ganz frei danach berech­net, wel­che selbst­kon­stru­ier­ten Unzu­läng­lich­kei­ten man an ihm schät­zen will – beglei­tet der Gesprächs­the­ra­peut in ech­ter Part­ner­schaft. Als ob er sich gerade mitthe­ra­pie­ren wollte:

„ich bewun­dere dich, wie du emp­fin­den kannst. Ich spüre eine Menge Kraft in dir, mehr als ich manch­mal habe,“ –

hilft er sei­nen Kan­di­da­ten zu der abson­der­li­chen Leis­tung, aus einer ange­streng­ten Selbst­be­zich­ti­gung den Haupt­ge­winn zu ziehen:

„Dass du von Wert bist für uns, ohne daß du irgend­wie beson­dere Anstren­gun­gen machst. Indem du bist, wie du bist, bist du für uns von Wert, das spürst du!

Tusch und Aner­ken­nung dafür, dass da einer nicht mehr unter­neh­men will, als laut psy­cho­lo­gi­scher Deu­tung bei ihm selbst drin ist! Bezeich­nen­der als in die­sen freund­li­chen Schluss­be­mer­kun­gen lässt sich das psy­cho­lo­gi­sche Pro­gramm der „Selb­st­öff­nung“ kaum zusam­men­fas­sen. So hat der „Part­ner“ end­lich die Wert­schät­zung, auf die er immer so erfolg­los scharf war: Sich selbst weiß er (einzu)schätzen als einen, der erfolg­reich fähig ist, zu sei­nem untüch­ti­gen Cha­rak­ter zu ste­hen, und darin ein beson­ders gelun­ge­nes Exem­plar ist. Und der ganz viel Gefal­len an sich selbst fin­det in der Pflege sei­ner Macken als seine indi­vi­du­elle Note - neben den prak­ti­schen Pflich­ten, denen er täg­lich brav nachkommt.