Die Gesell­schaft, ein­fach undurch­schau­bar fürs gemeine Volk

Quelle: MSZ 9 – 1988 Die Gesell­schaft, ein­fach undurch­schau­bar fürs gemeine Volk

„Der tiefste Grund für diese Unwis­sen­heit liegt wahr­schein­lich in der Undurch­sich­tig­keit der gesell­schaft­li­chen, poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Situa­tion für alle die­je­ni­gen, die nicht über den gesam­ten Vor­rat an theo­re­ti­schem Wis­sen und Den­ken ver­fü­gen.“ (II, Bd. 2, 280)

Das ist doch mal ein Gedanke, der die Welt unge­heuer um Wis­sen berei­chert! Die Kri­ti­sche Theo­rie will die „Unwis­sen­heit“ der Mas­sen als Grund für die gegen­wär­tige „gesell­schaf­ti­che, poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Situa­tion“ ent­deckt haben. Und was wis­sen „alle die­je­ni­gen“ nicht? Das ver­ra­ten uns die wis­sen­den Her­ren nicht. Dafür war­ten sie aber mit einem Grund für deren Unwis­sen­heit auf: die „Situa­tion“ – Gesell­schaft, Poli­tik, Wirt­schaft hin oder her – besteht im wesent­li­chen darin, daß sie sich „undurch­sich­tig“ macht, so daß die „alle die­je­ni­gen“ gar nichts wis­sen kön­nen, wes­we­gen die „Situa­tion“ auch gar nicht anders sein kann… Und warum „Undurch­sich­tig­keit“ spe­zi­ell für die „alle die­je­ni­gen“? Weil die eben nicht über den „gesam­ten Vor­rat an Wis­sen“ ver­fü­gen. Aber unsere gran­dio­sen Theo­re­ti­ker haben den schö­nen Vor­rat doch wohl gela­gert, oder: Könn­ten sie da nicht ihr Lager öff­nen und…

Doch halt! Dann wäre es ja womög­lich aus mit die­sem tragisch-​schönen Zir­kel, und unsere kri­ti­schen Theo­re­ti­ker wür­den sich ja gemein machen – mit den „all diejenigen“…

Lite­ra­tur

II Adorno, Fromm, Hork­hei­mer; Auto­ri­tät und Fami­lie, Bd. 2