Zitate zu: „Was man bei Marx ler­nen kann“

Karl Marx zu Arbeit und Reich­tum im Kapi­ta­lis­mus – Zitate

I. Wenn Reich­tum Waren­form hat

„Der Reich­tum der Gesell­schaf­ten, in wel­chen kapi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­ons­weise herrscht, erscheint als eine „unge­heure Waren­samm­lung“, die ein­zelne Ware als seine Ele­men­tar­form. … Die Nütz­lich­keit eines Dings macht es zum Gebrauchs­wert. … Gebrauchs­werte bil­den den stoff­li­chen Inhalt des Reich­tums, wel­ches immer seine gesell­schaft­li­che Form sei. In der von uns zu betrach­ten­den Gesell­schafts­form bil­den sie zugleich die stoff­li­chen Trä­ger des – Tausch­werts.“ (Das Kapi­tal, Band 1, Marx-​Engels-​Werke Bd. 23 (im fol­gen­den „K1“), S.49ff.)

„Der Tausch­wert erscheint zunächst als das quan­ti­ta­tive Ver­hält­nis, die Pro­por­tion, worin sich Gebrauchs­werte einer Art gegen Gebrauchs­werte ande­rer Art aus­tau­schen … da x Stie­fel­wichse, ebenso y Seide, ebenso z Gold usw. der Tausch­wert von einem Quar­ter Wei­zen ist, müs­sen y Stie­fel­wichse, y Seide, z Gold usw. durch ein­an­der ersetz­bare oder ein­an­der gleich große Tausch­werte sein. … Die gül­ti­gen Tausch­werte der­sel­ben Ware drü­cken ein Glei­ches aus. … Beide sind also gleich einem Drit­ten, das an und für sich weder das eine noch das andere ist.“ (K1, S.50 f.)

„Sieht man nun vom Gebrauchs­wert der Waren­kör­per ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigen­schaft, die von Arbeits­pro­duk­ten. … Diese Dinge stel­len nur noch dar, daß in ihrer Pro­duk­tion mensch­li­che Arbeits­kraft ver­aus­gabt, mensch­li­che Arbeit auf­ge­häuft ist. Als Kris­talle die­ser ihnen gemein­schaft­li­chen Sub­stanz sind sie Werte – Waren­werte. … Ein Gebrauchs­wert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abs­trakt mensch­li­che Arbeit in ihm ver­ge­gen­ständ­licht oder mate­ria­li­siert ist.“ (K1, S. 52 f.)

„Wie nun die Größe sei­nes Werts mes­sen? Durch das Quan­tum der in ihm ent­hal­te­nen „wert­bil­den­den Sub­stanz“, der Arbeit. Die Quan­ti­tät der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeit­dauer … Die Arbeit jedoch, wel­che die Sub­stanz der Werte bil­det, ist glei­che mensch­li­che Arbeit, Ver­aus­ga­bung der­sel­ben mensch­li­chen Arbeits­kraft. … gesell­schaft­li­che Durchschnitts-​Arbeitskraft … (Es) wirkt also in der Pro­duk­tion einer Ware auch nur die im Durch­schnitt not­wen­dige oder gesell­schaft­lich not­wen­dige Arbeits­zeit“ (K1, S.53)

„Gebrauchs­ge­gen­stände wer­den über­haupt nur Waren, weil sie Pro­dukte von­ein­an­der unab­hän­gig betrieb­ner Pri­vat­ar­bei­ten sind.“ (K1, S.87)

  • Pro­duk­tion für den Markt; Arbeit schafft das Mit­tel, mit dem um die Aneig­nung von Geld kon­kur­riert wird.
  • Pro­du­ziert wird eigent­lich Geld, Tausch­wert als selb­stän­di­ges Ding, Ver­fü­gungs­macht über frem­des Pro­dukt und fremde Arbeit.
  • Das gesell­schaft­li­che Bedürf­nis, dem der Gebrauchs­wert dient, ist nicht Zweck der Pro­duk­tion, son­dern Mit­tel der Aneig­nung von Geld; die Schwä­che, an der die Bedürf­ti­gen gepackt werden.
  • Weil die Arbeit als Mit­tel für die Aneig­nung von Tausch­wert ver­an­stal­tet wird, bekommt kei­ner im Wert „seine Arbeit ent­gol­ten“, son­dern erfährt im Aus­tausch, ob und in wel­chem Maß er über­haupt gesell­schaft­lich not­wen­dige Arbeit geleis­tet hat.

„„Die Arbeit ist die Quelle alles Reich­tums und aller Kul­tur.“ (Gothaer Pro­gramm der deut­schen Arbei­ter­par­tei 1875)

… Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reich­tums. Die Natur ist eben­so­sehr die Quelle der Gebrauchs­werte (und aus sol­chen besteht doch wohl der sach­li­che Reich­tum!)“ (Kri­tik des Gothaer Pro­gramms, MEW Bd. 19, S.15)

· Das alles ist Selbst­ver­ständ­lich­keit; Gewicht hat die soge­nannte Arbeits­wert­lehre nur wegen eines Miss­ver­ständ­nis­ses bekom­men, in dem die alten Sozia­lis­ten und die Grenznutzen-​Ökonomen aus ent­ge­gen­ge­setz­ten Moti­ven einig waren.

II. Wenn Arbeit Maß des Reich­tums ist

„Ursprüng­lich erschien uns die Ware als ein Zwie­schläch­ti­ges, Gebrauchs­wert und Tausch­wert. Spä­ter zeigte sich, daß auch die Arbeit, soweit sie im Wert aus­ge­drückt ist, nicht mehr die­sel­ben Merk­male besitzt, die ihr als Erzeu­ge­rin von Gebrauchs­wer­ten zukom­men. Diese zwie­schläch­tige Natur der in der Ware ent­hal­te­nen Arbeit ist zuerst von mir kri­tisch nach­ge­wie­sen wor­den. Da die­ser Punkt der Spring­punkt ist, um den sich das Ver­ständ­nis der poli­ti­schen Öko­no­mie dreht, soll er hier näher beleuch­tet wer­den.“ (K1, S.56)

„Sieht man ab von der Bestimmt­heit der pro­duk­ti­ven Tätig­keit und daher vom nütz­li­chen Cha­rak­ter der Arbeit, so bleibt das an ihr, daß sie eine Ver­aus­ga­bung mensch­li­cher Arbeits­kraft ist. … Ver­aus­ga­bung von mensch­li­chem Hirn, Mus­kel, Nerv …“ (K1, S.58)

„Ein größ­res Quan­tum Gebrauchs­wert bil­det an und für sich größ­ren stoff­li­chen Reich­tum, zwei Röcke mehr als einer. Mit zwei Röcken kann man zwei Men­schen klei­den, mit einem Rock nur einen Men­schen usw. Den­noch kann der stei­gen­den Masse des stoff­li­chen Reich­tums ein gleich­zei­ti­ger Fall sei­ner Wert­größe ent­spre­chen. Diese gegen­sätz­li­che Bewe­gung ent­springt aus dem zwie­schläch­ti­gen Cha­rak­ter der Arbeit. Pro­duk­tiv­kraft ist natür­lich stets Pro­duk­tiv­kraft nütz­li­cher, kon­kre­ter Arbeit und bestimmt in der Tat nur den Wir­kungs­grad zweck­mä­ßi­ger pro­duk­ti­ver Tätig­keit in gegeb­nem Zeit­raum. Die nütz­li­che Arbeit wird daher rei­chere oder dürf­ti­gere Pro­duk­ten­quelle im direk­ten Ver­hält­nis zum Stei­gen oder Fal­len ihrer Pro­duk­tiv­kraft. Dage­gen trifft ein Wech­sel der Pro­duk­tiv­kraft die im Wert dar­ge­stellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Pro­duk­tiv­kraft der kon­kre­ten nütz­li­chen Form der Arbeit ange­hört, kann sie natür­lich die Arbeit nicht mehr berüh­ren, sobald von ihrer kon­kre­ten nütz­li­chen Form abstra­hiert wird. Die­selbe Arbeit ergibt daher in den­sel­ben Zeit­räu­men stets die­selbe Wert­größe, wie immer die Pro­duk­tiv­kraft wechsle. … Der­selbe Wech­sel der Pro­duk­tiv­kraft, der die Frucht­bar­keit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelie­fer­ten Gebrauchs­werte ver­mehrt, ver­min­dert also die Wert­größe die­ser ver­mehr­ten Gesamt­masse, wenn er die Summe der zu ihrer Pro­duk­tion not­wen­di­gen Arbeits­zeit abkürzt.“ (K1, S.60 f.)

  • Mensch­li­che Ver­aus­ga­bung, Auf­wand misst das Ergebnis.
  • Mehr Reich­tum nur durch immer mehr Arbeit.
  • Maß­lo­ses Bedürf­nis die­ser Gesell­schaft nach Arbeit.
  • Kein ratio­na­ler Begriff von Reich­tum, jeden­falls nicht für den Arbeiter.

III. Auf­ge­wen­dete Arbeit ist Maß des Reich­tums nur in einer Öko­no­mie der Ausbeutung

„Denn der wirk­li­che Reich­tum ist die ent­wi­ckelte Pro­duk­tiv­kraft aller Indi­vi­duen. Es ist dann kei­nes­wegs mehr die Arbeits­zeit, son­dern die dis­po­sa­ble time das Maß des Reich­tums. Die Arbeits­zeit als Maß des Reich­tums setzt den Reich­tum selbst als auf Armut begrün­det und die dis­po­sa­ble time nur exis­tie­rend im und durch den Gegen­satz zur Sur­plus­ar­beit oder Set­zen der gan­zen Lebens­zeit des Indi­vi­du­ums als Arbeits­zeit und Degra­da­tion des­sel­ben daher zum blo­ßen Arbei­ter, Sub­sum­tion unter die Arbeit. Die ent­wi­ckeltste Maschi­ne­rie zwingt den Arbei­ter daher, jetzt län­ger zu arbei­ten, als der Wilde tut oder als er selbst mit den ein­fachs­ten, rohes­ten Werk­zeu­gen tat.“ (Grund­risse der Kri­tik der poli­ti­schen Öko­no­mie, MEW Bd. 42, S. 604)

„Sobald die Arbeit in unmit­tel­ba­rer Form auf­ge­hört hat, die große Quelle des Reich­tums zu sein, hört und muss auf­hö­ren, die Arbeits­zeit sein Maß zu sein und daher der Tausch­wert Maß des Gebrauchs­werts. … Das Kapi­tal ist selbst der pro­zes­sie­rende Wider­spruch dadurch, dass es die Arbeits­zeit auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren strebt, wäh­rend es and­rer­seits die Arbeits­zeit als ein­zi­ges Maß und Quelle des Reich­tums setzt. Es ver­min­dert die Arbeits­zeit daher in der Form der not­wen­di­gen, um sie zu ver­meh­ren in der Form der über­flüs­si­gen: setzt daher die über­flüs­sige in wach­sen­dem Maß als Bedin­gung – ques­tion de vie et de mort – für die not­wen­dige. Nach der einen Seite hin ruft es alle Mächte der Wis­sen­schaft und der Natur wie der gesell­schaft­li­chen Kom­bi­na­tion und des gesell­schaft­li­chen Ver­kehrs ins Leben, um die Schöp­fung des Reich­tums unab­hän­gig (rela­tiv) zu machen von der auf sie auf­ge­wand­ten Arbeits­zeit. Nach der ande­ren Seite will es diese so geschaf­fe­nen rie­si­gen Gesell­schafts­kräfte mes­sen an der Arbeits­zeit und sie ein­ban­nen in die Gren­zen, die erheischt sind, um den schon geschaf­fe­nen Wert als Wert zu erhal­ten.“ (Grund­risse, 602)

· Das Kapi­tal redu­ziert pro­gres­siv die not­wen­dige Arbeit, inzwi­schen auf ein mini­ma­les Quan­tum; Arbeit ist immer weni­ger nötig; die Schranke der pro­duk­ti­ven Anwen­dung von Arbeit liegt eben des­halb immer höher. Absurde Fas­sun­gen: Arbeits­plätze wer­den teu­rer! Und: Was ließe sich denn noch pro­du­zie­ren, damit Arbeit ange­wen­det und ver­aus­gabt wer­den kann? „Wir brau­chen neue Produkte!“

· Bei aller rela­ti­ven Über­flüs­sig­keit der Arbeit wird der Zugang der brei­ten Mas­sen zu den Mit­teln des Lebens­un­ter­halts wei­ter­hin davon abhän­gig gemacht, dass sie fürs Kapi­tal ren­ta­ble Arbeit verrichten.

· Wach­sende Arbeits­lo­sig­keit, wach­sen­des Elend wegen des hoch ent­wi­ckel­ten Stan­des der Spring­quel­len des mate­ri­el­len Reichtums.