Jour Fixe – Wöchent­li­cher Diskussionstermin

Nach dem schmäh­li­chen Ende des rea­len Sozia­lis­mus sehen es auch die kri­ti­schen Geis­ter der Nation frei­wil­lig ein: Das Sys­tem des Wes­tens ist doch unschlag­bar – öko­no­misch allen Alter­na­ti­ven über­le­gen, frei­heits­mä­ßig über­haupt ein­zig­ar­tig, im Gro­ßen und Gan­zen fried­fer­tig; kri­ti­ka­bel höchs­tens darin, dass es noch nicht genug für die welt­weite Durch­set­zung so vor­bild­li­cher Ver­hält­nisse tut… Eine kleine Vor­aus­set­zung schließt die­ses Kom­pli­ment an den real exis­tie­ren­den Welt­ka­pi­ta­lis­mus frei­lich schon ein; sie betrifft den Stand­punkt der Begut­ach­tung. Ihre Vor­züge zeigt die mus­ter­gül­tige west­li­che Gesell­schafts­ord­nung näm­lich nur dann so rich­tig, wenn man gar keine ande­ren Inter­es­sen kennt als die­je­ni­gen, die darin die bestim­men­den sind; wenn man sich gar keine ande­ren Pro­bleme macht als die­je­ni­gen, die dort ent­ste­hen und vom Staat, der kei­nes­wegs zufäl­lig ein Gewalt­waltap­pa­rat ist, betreut wer­den; wenn man gar keine ande­ren Erfolgs­ge­sichts­punkte gel­ten lässt als die­je­ni­gen, die in der Welt des Geschäfts und der staat­li­chen Gewalt eben herr­schen; wenn man also, umge­kehrt, für die Mas­sen auf dem Glo­bus gar kei­nen ande­ren Beruf in Betracht zieht als den­je­ni­gen, die nütz­li­che Manö­vrier­masse der Welt­wirt­schaft und der für ihr Funk­tio­nie­ren zustän­di­gen Gewal­ten – oder aber zu viel zu sein. Einen Reich­tum pro­du­zie­ren, von dem eine kleine radi­kale Min­der­heit enorm viel hat; die große Mehr­heit der Leute unter Lebens­ver­hält­nisse set­zen, in denen sie den Dienst am Eigen­tum ande­rer als ihre ein­zige Lebens­chance be– und ergrei­fen und sich noch darum schla­gen, benutzt zu wer­den: Das kann der demo­kra­ti­sche Kapi­ta­lis­mus wirk­lich erst­klas­sig. Und er kann noch mehr: Intel­lek­tu­elle ernäh­ren, die sein Funk­tio­nie­ren zur ver­gleichs­weise opti­ma­len Lösung zahl­rei­cher – öko­no­mi­scher, ord­nungs­po­li­ti­scher, sitt­li­cher und ande­rer – Mensch­heits­pro­bleme ver­klä­ren. Diese metho­di­sche Par­tei­lich­keit bei­sei­te­ge­las­sen, fällt eini­ger Glanz ab vom sieg­rei­chen Sys­tem der Frei­heit. Dann erweist sich die Frei­heit selbst als faden­schei­nige Errun­gen­schaft, weil sie tat­säch­lich eine Tech­nik der Herr­schaft und auf der ande­ren Seite das bil­lige Selbst­be­wusst­sein der Beherrsch­ten ist. Die demo­kra­ti­sche Regie­rungs­art zieht nicht schon des­halb Kom­pli­mente auf sich, weil man­che Dik­ta­to­ren bru­ta­ler ver­fah­ren – etwa so, wie Demo­kra­tien es sich für Not­stands­zei­ten vor­be­hal­ten. Vom Markt­ge­sche­hen gibt es nicht so sehr glanz­volle Ver­sor­gungs­leis­tun­gen zu mel­den, eher den Zweck der gan­zen Sache: das Geld und seine Ver­meh­rung, sowie einige Här­ten, das Geld­ver­die­nen durch Arbeit betref­fend. Sogar der Frie­den, den die ver­ant­wort­li­chen Welt­mächte hüten, sieht weni­ger idyl­lisch aus, mehr nach zwi­schen­staat­li­chen Gewalt– und Erpres­sungs­ver­hält­nis­sen, die – aus­neh­mend demo­kra­tisch! – die Völ­ker für ihren Staat aus­zu­ba­den haben. Und vom wei­ten Feld ori­gi­nel­ler Welt­an­schau­un­gen bleibt nicht viel mehr als eine Masse ebenso wohl­mei­nen­der wie ver­fäl­schen­der Umdeu­tun­gen des Welt­ge­sche­hens übrig, deren Dumm­heit nicht sel­ten die Schmerz­grenze erreicht. Es liegt also gar nicht an einem beson­ders extra­va­gan­ten Stand­punkt, dass wir ein paar sehr abwei­chende Auf­fas­sun­gen und Argu­mente zu bie­ten haben. Es geht uns im Gegen­teil gerade nicht darum, die behan­del­ten The­men der Zeit neu, wit­zig und ein­mal ganz anders zu sehen. Die Gruppe farbeRot bemüht sich in ihren Tex­ten und auf ihren Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen um Erklä­run­gen; und die lau­fen, wenn sie rich­tig sind, alle­mal auf den Beweis hin­aus, dass die wirk­li­chen Ver­hält­nisse ein wenig anders sind, als die amtie­ren­den Fach­leute für Wirt­schaft, Poli­tik und Moral & Welt­an­schau­ung sie sich und ihrem Publi­kum zurecht­le­gen. Weil es da viel und dau­ernd etwas Neues zu erklä­ren und zurecht­zu­rü­cken gibt, tref­fen wir uns ein­mal pro Woche zu unse­rem Dis­kus­si­ons­kreis.

farbeRot lädt ein

Zeit
jeweils Don­ners­tag, 19.00 Uhr
Ort
Stu­die­ren­den­haus, Cam­pus Bocken­heim, Jügel­straße 1
Raum
In einem der Räume K1, K2, K3 (jeweils ers­ter Stock) oder K4 (zwei­ter Stock)

Für Inter­es­sierte, die offen geblie­bene Fra­gen aus unse­ren Ver­an­stal­tun­gen dis­ku­tie­ren wol­len, und für Leute, denen die in der Öffent­lich­keit ver­brei­te­ten Argu­mente nicht (mehr) ein­leuch­ten, bie­ten wir die­sen Dis­kus­si­ons­ter­min an.

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