Lese­kreis zu Das Kapi­tal von Karl Marx

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Was von Marx zu ler­nen wäre: Alles Nötige über Arbeit und Reich­tum im Kapitalimus

Linke Par­teien zäh­len den Theo­re­ti­ker des 19. Jahr­hun­derts, des­sen Gedan­ken ein­mal die Welt bewegt haben, zu ihrem Tra­di­ti­ons­be­stand, seine Schrif­ten aber ken­nen sie nicht mehr. Marx ist heute ein toter Hund. Um so mehr als man ihn an Uni­ver­si­tä­ten, sofern man sich sei­ner erin­nert, höf­lich ins geis­tes­ge­schicht­li­che deut­sche Erbe ein­ge­mein­det – und zwar als einen Gro­ßen: Ein gro­ßer Phi­lo­soph soll er gewe­sen sein, dem es nach Hegel noch ein­mal gelun­gen sei, dia­lek­tisch zu den­ken; ein gro­ßer Sozio­loge, der ein Sys­tem gebas­telt habe, in dem die Gesell­schaft von der mate­ri­el­len Basis bis zum Über­bau der Ideen auf ein ein­zi­ges Prin­zip gebracht ist, ein gro­ßer Pro­phet, der die Glo­ba­li­sie­rung früh vor­her­ge­se­hen habe, ein gro­ßer Uto­pist, der sich eine schöne bes­sere Welt aus­ge­dacht haben soll.

Dass Marx selbst, wenn er gefragt würde, nichts von dem genann­ten Gro­ßen voll­bracht haben wollte, ja sich die­ses Lob ver­bit­ten würde, kann seine geis­tes­ge­schicht­li­chen Freunde nicht brem­sen. Sie ver­zei­hen ihm ja sogar, dass er Kom­mu­nist gewe­sen ist. Er selbst sah seine Leis­tung ein­zig und allein in dem, was der Unter­ti­tel sei­nes theo­re­ti­schen Haupt­wer­kes ankün­digt: in der Kri­tik der poli­ti­schen Öko­no­mie des Kapi­ta­lis­mus. Marx war, wenn irgend­et­was, Öko­nom. Die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten aller­dings haben keine gute Erin­ne­rung an die­sen Klas­si­ker, ja eigent­lich über­haupt keine. Kein Wun­der. Schließ­lich hat er nicht nur die men­schen­feind­li­che und absurde Ratio­na­li­tät des Wirt­schaf­sys­tems aufs Korn genom­men, das sie so ver­nünf­tig fin­den, er hat auch ihre ver­ständ­nis­vol­len Theo­rien dar­über wider– und zerlegt.

An dem Kapi­ta­lis­mus, den Marx in der Phase sei­nes Ent­ste­hens ana­ly­sierte und kri­ti­sierte, hat sich seit sei­nen Tagen dies und das, aber nichts Wesent­li­ches geän­dert. Immer noch ist die Ver­meh­rung des Gel­des der beherr­schende Zweck, für den gear­bei­tet wird – und das ist kei­nes­wegs ein geschick­ter Umweg zur bes­se­ren Befrie­di­gung der Bedürf­nisse; noch immer sind die arbei­ten­den Men­schen Kos­ten­fak­tor, also die nega­tive Größe des Betriebs­zwecks; noch immer fin­det die Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kraft der Arbeit, der größ­ten Quelle des mate­ri­el­len Reich­tums, aus­schließ­lich statt, um Löhne zu spa­ren und Arbeits­kräfte zu ent­las­sen – also um den Arbei­ter ärmer zu machen.

Wegen die­ser Aktua­li­tät, und nur wegen ihr, ver­dient es der längst ver­bli­chene Den­ker, dass man sich sei­ner erin­nert. Seine Bücher hel­fen, die öko­no­mi­sche Wirk­lich­keit heute zu erklä­ren. Ange­bo­ten wer­den unge­wohnte Gedan­ken über Gebrauchs­wert und Tausch­wert, kon­krete und abs­trakte Arbeit, Geld und Nut­zen, Arbeit und Reich­tum – paar­weise Bestim­mun­gen, die unsere moderne Welt nicht mehr aus­ein­an­der hal­ten kann, wäh­rend sie tat­säch­lich die här­tes­ten Gegen­sätze enthalten.

Lek­tü­re­emp­feh­lun­gen und Links

Wir emp­feh­len die fol­gen­den Arti­kel des Gegen­Stand­punkt zum Thema Das Kapi­tal:

In unse­rer Audio­sek­tion sind drei Vor­träge ver­füg­bar, die in die Kri­tik von Marx einführen: